meine deutsche Weihnachten

ein besonderer Wunsch

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Es war kurz vor Weihnachten, wir wollten uns bei Schmidts Deli in der Nähe von der Tottenham Court Road treffen. Es war 1975, ich war beschäftigt bei der Uni in London und meine zwei Freunde waren Gillian Smith, geboren Smith, und William Smith, auch geboren Smith. In Schmidts Delikat­essen­laden haben wir Zimtsterne, Lebkuchen und Christ­stollen probiert. Im Restaurant nebenan haben wir gegessen. Ich habe ein paniertes Schnitzel und ein deutsches Bier gehabt; ich erinnere mich, dass ich Zucker statt Salz benutzte – ziemlich doof. Weihnachten ein Bisschen wie in Deutschland – meine erste Erfahrung.

Silvester gehört auch zur Weihnachts­zeit; aber ich habe es nicht gewusst. Damals in England war New Year‘s Eve nicht besonders, Zeit für eine Party vielleicht, der nächste Tag, Neujahrstag war kein Feiertag. Die Engländer feierten alles am ersten Weihnachts­tag.

Es war Silvester 1979; wir hatten Weihnachten mit meinen Eltern gefeiert – sehr Englisch. Aber irgendwas war nicht in Ordnung – ich wusste: irgendwas aber nicht was. Freya war nicht glücklich, aber warum? Es wird schlechter, mein Vorschlag für eine selbst­gemachte Hühner­suppe war die letzte Strohhalm. „Jetzt reicht es mir aber!“

Ich musste was tun. „Indisch!“ Wir stampften durch die Schnee, es war kalt aber immer noch sehr festlich. Wir haben bei unserem Lieblings-indischen Restaurant in Hampstead gut gegessen und gefeiert. Auf dem Rückweg haben wir eine Nachricht auf der Heck­scheibe unseres Käfer mit deutschen Nummern­schild gesehen. „We won the war, but Happy Xmas!“

Es war unsere erste Weihnachten in Deutschland. Natürlich eine Gans, aber wie? Freya hat mehrmals mit ihren Schwestern telefoniert. Es hat gedauert, fast vier Stunden. Aber es war perfekt, mit Kartoffeln, Rosenkohl, Rotkohl und die Sauce. Einfach wunderbar!

Etliche Jahre später hatten wir vier Nachbarn zum Gänseessen geladen, vier plus zwei ist die Zauberzahl Sechs. Es roch ganz gut in der Stube. Ich habe den Vogel zum Tisch getragen. Aber das Ding war riesig klein, es war eine Baby-Pute, ein bisschen großer als ein Hühnchen. Lange Gesichter! Erst dann habe ich den großen Vogel herein­getragen. Komisch, es war ein vierbeiniger Vogel.

Ja, Weihnachten in Deutschland ist das Beste;
aber es muss nicht Zimtsterne geben.