H-Town

Eine wahre Geschichte über Mord und Hass in Heidelberg.

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Copyright © 2007, Michael M Wayman

Ich hasse Heidelberg. Vielleicht ist es der rote Sandstein; viele alte Gebäude in Heidelberg sind aus rotem Sandstein, das Schloss zum Beispiel. Vielleicht war ich in einem Gefängnis aus rotem Sandstein in einem früheren Leben. Es gibt noch einen Grund.

Doch, Heidelberg ist schön! Das romantische Schloss, der Neckar-Fluss, die alten Gebäude, der Thingplatz, die Seilbahn, „The Student Prince“, die Feuerwerke über dem Fluss und Schloss, am besten vom Philosophenweg aus auf dem anderen Flussufer zu sehen; und die amerikanischen Touristen, die fragen „Where is the shlob?“

Manche Leute haben angeblich ihr Herz in Heidelberg verloren, ich aber was anders.

Wir waren zu zwölft auf einem Präsentationstraining in einem kleinen Hotel in Großetwas. Da gibt’s in der Nähe nicht Kleinetwas, sondern mein Hassobjekt. Es war Abend. Was war zu tun? Heidelberg besuchen. Alle Deutschen wollen einmal im Leben Heidelberg besuchen, aber keine der elf Deutschen waren schon dort gewesen, nur einer und das war ich. So ich, als blöder Ausländer, musste den lieben Deutschen ihr geliebtes Heidelberg zeigen. Aber ich hasse Heidelberg, habe ich immer betont. Macht nix!

Wir sind die bekannte Hauptstraße entlang spaziert, dort die Universitätsgebäude mit dem Bunsen da vorne (aber ohne Brenner), da das Hotel Ritter, hier die große Heiliggeistkirche, da der Marktplatz, da McDonalds und das Größte, das Schloss (very picture-skew) mit einem Sichelmond zwischen den Türmen zu sehen oder zu fotografieren. Aber ich hasse Heidelberg. Macht aber nix!

Wir sind zum Fluss runtergewandert, die alte Brücke mit dem mittelalterlichen Brückentor über dem Neckar, der alte Affe und die kleinen Mäuse auf der Balustrade. Aber ich hasse Heidelberg. Macht aber nix! Der Studentenkarzer, der Marstall mit dem alten Kornspeicher.

Und hier wurde ich ermordet!

Ich zeigte eine Stelle im Fluss, im Neckar. Vor zehn Jahren war ich hier erstochen. Es ist kein Wunder, dass ich Heidelberg hasse.

Eines Tages bekam meine Frau Besuch, zwei Männer in grün. Nein, sie waren keine Leprechauns aus Irland, sondern Polizisten. Die Deutschen haben komische Ideen, vielleicht sind sie farbenblind. Sie werden langsam blau, ich meine nicht betrunken, zuerst die Autos, vielleicht während meines Lebens werden sie komplett blau.

Wo war ihr Mann? Sie wusste, dass ich die ganze Woche geschäftlich in Heidelberg war. Die zwei Wachmänner haben gesagt, dass ihre Kollegen in Heidelberg Dokumente mit meinen Namen im Neckar gefunden haben. Meine Frau sah mich schwimmend im Wasser mit einem Messer im Rücken.

Ich bin am nächsten Tag zum Polizeirevier gegangen und habe mein Portemonnaie mit allen Papieren zurückbekommen, es fehlte nur das Bargeld, vielleicht Zweihundert Mark. Ich hasse Heidelberg.